Wie die Suche nach einer Praxisnachfolge zur Erfolgsgeschichte wird
Der Hausarzt Dr. Jürgen Arnhardt kann sich demnächst beruhigt in den Ruhestand verabschieden, denn er hat für seine Praxis in Höchstädt an der Donau das Nachfolgeproblem gelöst. Sein Erfolgsrezept besteht aus drei Komponenten.
"Um Nachfolge kümmer heißt selbst ausbilden"
„Man muss sich nur rechtzeitig darum kümmern“, nennt er den ersten Schritt. Das Schlüsselerlebnis sei für ihn eine Veranstaltung der KVB gewesen, bei der er den Satz zu hören bekam, dass eine Nachfolgesuche zehn Jahre im Voraus geplant werden solle. Der großzügig gesteckte Zeitrahmen sei keineswegs übertrieben. „Und ‚Kümmern‘ heißt in diesem Fall selber ausbilden“, nennt er die zweite wichtige Bedingung dafür, damit es mit der Nachfolge klappt. Das sei ihm schon bei seiner Tätigkeit als Delegierter im Bayerischen Hausärzteverband klar geworden. Auch die dritte Komponente seines Erfolgsrezepts liegt eigentlich auf der Hand: „Wir lösen das Problem des Nachwuchsmangels in den hausärztlichen Praxen auf dem Land nur, wenn wir Leute mit Verwurzelung bekommen“, führt er aus. „Und die bekommt man eben auch nur, wenn man sie selber ausbildet“.
"Angenehm, Unterstützung zu haben"
Als 2013 die Kreisklinik Dillingen zum akademischen Lehrkrankenhaus der TUM wurde, ergriff Dr. Arnhardt die Gelegenheit und stellte seine Praxis als Lehrpraxis für den neuen Weiterbildungsverbund zur Verfügung. Damit war die Weiche gestellt. Noch im selben Jahr sei bei ihm die erste Weiterbildungsassistentin angetreten. Er habe sie mit gemischten Gefühlen empfangen. „Mir war klar, dass das ein notwendiger Schritt ist. Aber nachdem ich 20 Jahre lang als Einzelkämpfer unterwegs war, hat mich das anfangs schon etwas Überwindung gekostet, jemand mit in meine Praxis zu nehmen“, erinnert er sich. Das Fremdkörpergefühl sei aber nicht von Dauer gewesen. „Ich habe schnell gemerkt, wie angenehm es ist, Unterstützung zu haben.“
"Klebeeffekt" funktioniert
Mittlerweile haben fünf WBA und fünf PJ-ler bei ihm die Arbeit in einer ländlichen Hausarztpraxis kennen gelernt. Wie er im Rückblick feststellen kann, funktioniert der „Klebeeffekt“, von dem in den einschlägigen Programmen immer die Rede ist, offenbar ganz gut. „Von den fünf meiner WBA sind vier in Schwaben geblieben, eine im Landkreis Dillingen und zwei sogar in meiner Praxis“, lautet seine Bilanz.
Eine von ihnen ist Dr. Franciska Reiter, die 2016 als Fachärztin in seine Praxis kam. Sie arbeitet bis heute als angestellte Hausärztin bei Arnhardt in der Praxis. „Ihr hatte es so gut gefallen, dass sie mir sagte: ‚Ich will bleiben‘. Da habe ich gesagt: Ich baue an“, so Dr. Arnhardt. Mit dem genehmigten Anbau war der Weg frei für zwei zusätzliche Sprechzimmer und ein weiteres Sono-Zimmer. „Inzwischen arbeiten vier angestellte Ärztinnen hier “, sagt er.
„Die junge Generation braucht Teilzeitmodelle"
Dass der Frauenanteil in seiner Praxis überproportional groß ausfällt, hängt mit einem allgemeinen Trend zusammen. „Seit vielen Jahren wird die Medizin immer weiblicher, auch die Hausarztmedizin“, erklärt er. Dieser Trend werde sich fortsetzen und man müsse sich auch bei den Arbeitsmodellen darauf einstellen. Die Hausarztpraxis, die eine Person allein mit allen Diensten und Verbindlichkeiten stemmt, so wie er das 20 Jahre lang getan hat, gehört der Vergangenheit an. „Die junge Generation hat andere Ansprüche“, weiß Dr. Arnhardt. Sie braucht Teilzeitmodelle, die Familie und Beruf miteinander vereinbar machen. Er hat das in seiner Praxis umgesetzt. Mit ihm arbeiten nun vier angestellte Ärztinnen hier - alle in Teilzeit. „Alles junge Mütter“, sagt er.
Unterstützen ja -„aber alles ohne Stress“
In diesem Jahr wird seine bisher angestellte Ärztin Franciska Reiter, die in den vergangenen zwei Jahren mit ihm zusammen die Praxis geführt hat, sie dann übernehmen. „Das haben wir vor zwei Jahren so geregelt, dass ich mich, wenn sie alle Abläufe kennt, zurückziehe und eine weitere WBA dann meinen Teil übernehmen wird“, sagt er. Diese steht auch schon fest: Es ist Sabine Fonck, die bisher als angestellte Ärztin in der Praxis tätig ist. Wenn sie zum 01. Oktober dieses Jahres seinen Teil der Gemeinschaftspraxis übernehmen wird, kann er dieses Jahr wie geplant mit 66 in den Ruhestand gehen. Er hat einiges vor: Gemeinsame Reisen mit der Ehefrau, Tanzen und die vielen schönen Dinge machen, für die dann endlich genug Zeit ist. Allerdings will er seine Nachfolgerinnen weiterhin unterstützen: mit Diensten an Wochenenden oder in den Ferien. Auch eines der drei Seniorenheime wird er weiterhin betreuen. „Aber alles ohne Stress“, so sein Plan.
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